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Frage 1) Künstliche Wölbung in die Sohle schnitzen?

Die Sohle ist der dünnste Teil des Hufes. Sie ist nur 5 – 10 mm (in manchen Fällen sogar weniger) dick.

Wenn es nun darum geht, altes überschüssiges Sohlenhorn wegzuschneiden, dann kann das richtig sein. In freier Wildbahn
würde sich ein Pferd altes, überschüssiges Sohlenhorn selbst ablaufen und es würde die frisch, nachgewachsene Sohle übrigbleiben.
Und bei unseren Haltungsbedingungen kann es doch immer wieder einmal vorkommen, dass sich Schmutz im altem Sohlenhorn
festsetzt und dadurch Abszess-Gefahr besteht.

Wenn es aber darum geht, in eine Sohle, künstlich eine Wölbung „reinzuschnitzen“, dann ist das fraglich. Nun gibt es aber
Verfechter von gewissen Ideologien, die meinen, dass ein Pferd somit besser barfuss laufen könnte, bzw. die Steine weniger
merken würde, wenn die Sohle mehr Distanz zum Boden hätte. Diesem Argument stimme ich voll und ganz zu. Je gewölbter die
Sohle ist, desto besser laufen die Pferde in der Regel barfuss. Doch es ist für meine Begriffe der falsche Weg, in die ohnehin
schon dünne Sohle eine „künstliche Wölbung reinzuschnitzen“. Viel besser ist es, den Huf in seine natürliche Balance zu bringen.
Denn dann entsteht die Sohlenwölbung meistens ganz von alleine.

Das möchte ich kurz erörtern: Wann treffe ich auf eine abgeflachte Sohle?

In den meisten Fällen handelt es sich um beschlagene Pferde mit eher weiten Hufen. Der Huf, bzw. der Strahl sucht beim
Gehen Bodenkontakt und braucht diesen auch. Der Strahl, mit seinem „Gegenspieler“ der Eckstrebe sorgt für einen gesunden
Hufmechanismus. Durch die Dicke des Eisens und der dadurch grösseren Distanz zum Boden fehlt im ersten Moment der Kontakt
zum Boden. Was passiert? Der Strahl und die Sohle sacken zwischen den Eisenschenkeln ab, um den Bodenkontakt wieder herzustellen. Unterstützt wird das Absacken, durch die Aufhängung des Pferdes, als Skelett betrachtet, das quasi in der
Hufkapsel aufgehängt ist.

Fehlt der Gegendruck vom Boden, wenn das Pferd beim Gehen auf einem Bein landet, dann drückt es über das Hufbein, welches
der unterste Knochen des Skelettes ist und der in der Hufkapsel aufgehängt ist, die Sohle (und den Strahl) nach unten durch,
bis sie durch den Bodengegendruck gestoppt wird. Geschieht das über einen langen Zeitraum, dann wird die Sohle eines Tages
nicht mehr in ihre Ursprungstellung zurückschnellen, sondern einfach abgeflacht bleiben.

Wie stelle ich nun die Sohlenwölbung ohne künstlichen Eingriff (Sohlenwölbung reinschnitzen) wieder her?

Da Hufe, bei denen die Sohle tatsächlich topfeben ist, meistens auch in die Weite gedrückt wurden, hilft es, wenn wir diese
wieder in ihre natürliche Position zurückbringen. Wir nehmen zuerst einmal die Eisen ab und wir werden aus dem flachen Huf,
mit weiten Wänden, einen kompakten Huf mit normal steilen Wänden formen – und – siehe da?! Die Sohle wölbt sich automatisch
wieder auf. Der Huf wird wieder gesund und tragfährig!