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Frage 3) „Regenrinne“ in die weisse Linie schnitzen?

Auch das ist ein leidiges Thema, das gerne diskutiert wird.

Einige Verfechter behaupten, dass bei Barhufern, die Steine, die sich in die Weisse Linie eintreten Hufabszesse auslösen können.
Damit sich nun keine Steine in die weisse Linie eintreten, schneiden sie wiederum „künstlich eine sogenannte Regenrinne“ in die
weisse Linie. Dies soll ein Eintreten der Steine verhindern. Was passiert? Oftmals wird das Problem nur grösser. Denn in die Rinne
passen nun sogar grössere Steine, als wenn keine Rinne da wäre.

Warum treten sich überhaupt Steine in die weisse Linie ein?

Die weisse Linie ist eine der weichsten Hornbereiche an der Hufunterseite. Und wenn die weisse Linie eine mindere Qualität hat,
weil das Pferd zum Beispiel frisch erst vom Eisenbeschlag auf Barhufgehen umgestellt wurde, weil die Stallhygiene nicht stimmt,
oder weil es typbedingt so ist, dann kann es gut sein, dass sich Steine dort eintreten. Oft treten sich Steine auf der
mehrbelasteten Hufseite ein und auf der weniger belasteten Seite nicht. Zum Beispiel, wenn ein Pferd arg zeheneng läuft und
stark über die Aussenkante abrollt (z.B. Das Pferd Hebe unter dem Thema Zwanghufe/Fallbeispiele), dann hat es oft eingetretene
Steine in der Aussenwand, bzw. in der weissen Linie im Bereich der Aussenwand.

Wie korrigiere ich das?

Durch eine Ausbalancierung der Hufe, erreiche ich eine gleichmässigere Belastung sämtlicher Wandabschnitte und das Eintreten
der Steine kann vermindert oder gar verhindert werden. Hat ein Pferd aber eine extrem unvorteilhafte Gliedmassenstellung, wird
selbst eine korrekte Hufstellung ein Eintreten der Steine nicht verhindern. Direkt nach der frischen Hufpflege ist es ein kurze Zeit
über vielleicht besser, aber sobald sich das Pferd nach ein paar Wochen die Hufe wieder schief anläuft, läuft das Spiel wieder von
vorne. Ein Hereinschnitzen einer „Regenrinne“ wird dabei aber die Problematik nur verschlimmern. Denn die einseitige Belastung
durch die unvorteilhafte Gliedmassenstellung ist so extrem, dass sich in die Rinne dann nur erst recht grössere Steine eintreten,
als wenn die weisse Linie nicht künstlich ausgeschnitten wurde.

Besteht denn eine Gefahr von Hufabszessen?

Hufabszesse entstehen von Aussen durch das Eintreten von Keimen. Wenn sich nun irgendwo ein Kanal nach Innen befindet, kann
ein Abszess entstehen. Der Stein an sich kann keinen Abszess auslösen. Findet man in solch einem Abszesskanal einen Stein, dann
war er nicht der Auslöser des Abszesses, sondern die Bakterien, die durch den Kanal aufsteigen konnten.

Soll man die Steine in der weissen Linie entfernen?

Ich sage immer, die Steinchen in der weissen Linie sind wie ein Diamantenbesatz an einem Fingerring. Sie verhindern sogar etwas
den Abrieb und dass sie nach oben wandern ist fast unmöglich, da das Hufhorn von oben nach unten wächst und quasi, wie ein
Gletscher, das „Geröll“ vor sich herschiebt. Wenn man die Steine entfernt, hat man damit nur ein Loch frei gemacht, wo sich der
nächst grössere Stein festsetzen kann. Meiner Meinung nach, kann man die Steine in der weissen Linie drin lassen, es sei denn es
sässe gerade „ein Felsbrocken“ drin. Ich habe noch keinen Hufabszess erlebt, welcher durch einen Stein ausgelöst wurde.

Ich stelle fest, dass die Problematik sich deutlich verbessert, wenn die Kunden meinen Rat befolgen.