| | Kriterien meiner Hufbearbeitung Nach welchen Kriterien bearbeite ich den Huf? Selbstverständlich nach orthopädischen! Aber bevor ich überhaupt Hand anlege, beurteile ich folgenden Punkte am Pferd und/oder bringe ich über den Pferdebesitzer in Erfahrung: ? Körperbau des Pferdes ? Rasse- und zuchtbedingter Huftypus ? Gangbeurteilung im Schritt und Trab ? Gliedmassenstellung von vorne und von der Seite ? Kranken- /Verletzungsgeschichte des Pferdes ? Links-/Rechtshändigkeit ? Haltung (Weide? Paddock? Boxe? Bodenbeschaffenheit des Stalles und des Geländes?) ? Nutzung (sportlich? Freizeit? Zucht? Etc.) Körperbau: Es gibt grosse, kleine, dicke, dünne, überbaute, etc. Pferde. Jedes Pferd hat seine Eigenheiten und einen zu ihm passenden Huf. Dies muss bei der Hufbearbeitung berücksichtigt werden. Rasse- und zuchtbedingter Huftypus: Zucht- oder rassebedingt hat jedes Pferd seine passenden Hufe. Quarter Horses züchtet man zum Beispiel mit extra kleinen Hufen, Irländer haben eher Tellerhufe, Esel laufen auf steilen Hufen, etc. etc.. Diese zuchtbedingten Eigenschaften müssen wir bei der Bearbeitung vor Augen haben. Wir können einem Quarter Horse keine grossen Hufe anarbeiten. Aber wir können die Hufe jedes Individuums ausbalanciert hinstellen. So, dass die Funktionalität optimal ist und die Gelenke einwandfrei arbeiten können. Vorsicht zum Beispiel vor dem Argument, „Englische Vollblüter haben eben flache Hufe (mit untergeschobenen Trachten)“! Dieses Argument höre ich immer wieder! Man muss ganz klar unterscheiden: Was ist rassetypisch und was ist nutzungstypisch?
Folgende Faktoren haben einen sehr grossen Einfluss auf die Form der Hufe:
? der Untergrund, auf dem sich das Pferd bewegt ? die Nutzung ? die Hufbearbeitung selbst. Durch eine gezielte Hufbearbeitung kann tatsächlich die „Flugbahn“ des Hufes beeinflusst werden und somit die Leistungsfähigkeit des Pferdes an sich. Vollblüter müssen keine untergeschobenen Trachten haben! Das ist kein rassetypischer Standard. Nein, dies kommt vielmehr durch den Beschlag in der frühen Jugend der Pferde, während die Tiere und deren Hufe sich noch voll im Wachstum befinden und von einer fehlerhaften Bearbeitung.
Die Gangmechanik kann durch die Hufstellung beeinflusst werden. Bei Tennessee Walking Horses wünscht man zum Beispiel eine extrem hohe Knieaktion in allen Gangarten. Dies wird erreicht, indem man die Vorderhufe des Pferdes mit bis zu 12 cm hohen Klötzen beschwert und Ketten locker um die Fesseln legt, die bei jedem Schritt schmerzhaft auf die Hufkronen schlagen und die Haut wund scheuern... (Quelle: Pferde, 100 Rassen in Text und Bild von Monique und Hans D. Dossenbach, Seite 118).
Wichtig ist, dass man bei der Hufbearbeitung die Hufe in eine für das Pferd gesunde Stellung bringt und dabei rassetypische Eigenheiten berücksichtigt. Gangbeurteilung im Schritt und Trab: Beim Vorführen erkenne ich, wie das Pferd seine Gliedmassen vorbewegt. Streift es sich bei jedem Schritt? Kippt das Karpalgelenk nach aussen? Läuft es zehenweit? Wie fusst es auf? Landet zuerst die Hufaussenseite, oder etwa die Hufinnenseite? Wie ist seine Gliedmassenstellung?
Zudem sehe ich, ob ein Pferd lahm läuft, oder sonstige Gebrechen zeigt. Des öftern beobachte ich Pferde, die Gangunregelmässigkeiten zeigen und/oder zum Beispiel die Hüfte schief halten oder auch schief laufen. Die Händigkeit des Pferdes wird oft sehr deutlich ersichtlich. Das Vorführen gibt mir erste Indizien darüber, wie ich die Hufe anschliessend zu bearbeiten habe. Das Vorführen gibt aber nicht den alleinigen Ausschlag für die Hufbearbeitung, sondern ist nur ein Hinweis auf allfällige Eigenheiten. | | | | Beispiele meiner Arbeit:  Kaya, Stute, Haflinger
 Mogli, Hengst, Minischetti
 Hebe, Stute, Warmblut
 Julies, Stute, Quarter Horse
 Pablo, Wallach, Schetti
Ein besonderer Dank an alle meine Kunden, dass ich die Bilder Ihrer Pferde bei der Arbeit meiner Hufbearbeitung zeigen darf! | | | |
| | Gliedmassenstellung von vorne und von der Seite: Diese Beurteilung ist sehr wichtig. Sie gibt Aufschluss darüber, wo das Pferd seine Belastungsschwerpunkte am Huf hat. Die belasteten Bereiche des Hufes geben weitere Anhaltspunkte in der folgenden Hufbearbeitung. Kranken- / Verletzungsgeschichte des Pferdes: Ich höre mir immer sehr genau an, welche Krankheiten oder Verletzungen das Pferd in seinem Leben erlebt hat. Auf gewisse Krankheiten oder Verletzungen, wie zum Beispiel Spat oder Hufrehe, muss man bei der Bearbeitung der Hufe unbedingt Rücksicht nehmen. Eventuell empfiehlt sich auch eine Rücksprache mit dem behandelnden Tierarzt.
Links- / Rechtshändigkeit: Beim Vorführen und beim Betrachten der Hufe habe ich in den meisten Fällen bereits die Händigkeit des Pferdes erkannt. Ich frage dennoch beim Besitzer und Reiter nochmals nach, ob er die Händigkeit beim Reiten des Pferdes ebenfalls so erlebt? In den allermeisten Fällen stimmt meine Beobachtung mit dem Erlebten des Reiters überein. Die Händigkeit gibt Aufschluss darüber, wie das Pferd seine Hufe abnutzen wird. Eine Bestätigung finde ich, wenn ich die Hufe zusätzlich noch von unten betrachte.
Die Händigkeit finde ich eine der faszinierensten Beobachtungen am Pferd und hat entscheidende Auswirkungen auf die Abnutzung der Hufe. Ein linkshändiges Pferd, stützt sich auf die linke Schulter und ist rechts hohl. Mit der Hinterhand läuft das Pferd somit rechts an der Vorhand vorbei. Die Hinterhand fusst also nicht in die Tritte der Vorhand. Das Pferd ist schief. Wird das Pferd nicht durch gezielte Gymnastik gerade gerichtet, dann wird es immer den Weg des geringsten Widerstandes gehen und so, wie es geboren wurde, schief durch das Leben gehen.
In einem solchen Fall, erkenne ich eindeutig an der unterschiedlichen Abnutzung der Hinterhufe und an dem einen Vorderhuf, der grösser ist, als der andere, die natürliche Schiefe. Andere körperliche Gebrechen können eine einseitige Stützung aber auch begünstigen.
Ganz spannend fand ich ein Erlebnis an einem meiner Kundenpferde: Dieses Kundenpferd ist im Besitz von zwei Reiterinnen. Eine reitet gut und versucht ihr Pferd während des Reitens gerade zu richten und die andere Reiterin, reitet nicht so gut und lässt das Pferd "einfach" laufen. Als die gute Reiterin länger in den Ferien war, ritt nur die weniger geübte Reiterin das Pferd. Als ich darauf das nächste Mal zur Hufpflege kam, sah ich an den Hufen, dass ausschliesslich die weniger begabte Reiterin das Pferd geritten haben musste. Von der Ferienabwesenheit der guten Reiterin wusste ich bis dahin nichts. Mir fiel nur auf, dass ich dieses Mal die Hufe ganz anderes kürzen musste, als die Male davor.
Die Quintesenz: Die Hufbearbeitung muss beim selben Pferd von Fall zu Fall erfolgen. Die Bearbeitung ist abhängig vom Ausbildungsstand des Pferdes, von der Reitweise und von äusseren Einflüssen, wie Bodenverhältnisse, frühere Erkrankungen und Verletzungen. Dies Faktoren beeinflussen die Gewichtsverteilung und somit die Abnutzung der Hufe. Haltung: Der Untergrund, auf dem das Pferd sich bewegt, formt seine Hufe. Weiche Böden machen weiche Hufe, harte Böden provozieren den Huf hart zu werden. „Raspelfreudige“ Böden nutzen die Hufe mehr ab, als „raspelarme“ Böden. Nutzt sich der Huf auf harten Böden mehr ab, wird er sich im Laufe der Zeit daran anpassen und mehr Horn nachschieben. Erkennt der Organismus, dass wenig Abrieb des Hufhornes vorhanden ist, dann wird er über längere Frist qualitativ weniger gutes Horn bilden. In der Natur werden nie Ressourcen verschwendet. Alles ist aufeinander abgestimmt und so ist es auch beim Hufhorn. Die Bodenbeschaffenheit gibt mir Aufschluss darüber, wieviel ich die Hufe kürzen muss. Gerade bei Pferden, die frisch von Eisen auf Barhuf umgestellt wurden und noch qualitativ schlechtes, weiches und vielleicht langsam wachsendes Hufhorn produzieren, muss man die Hufe weniger kürzen. So verkraften sie die Hufkorrektur problemlos. Hier kommt man anfangs lieber häufiger und korrigiert die Hufe in kleineren Schritten. Nutzung: Ich frage immer nach der Nutzung des Pferdes. Denn dies gibt mir ebenfalls Anhaltspunkte über die anstehende Hufkorrektur. Treffe ich auf sehr schlimme, deformierte Hufe und weiss, dass das Pferd nur Weidepferd ist, dann wirkt sich die Schiefe der Hufe bestimmt weniger. gravierend auf seine Gelenke aus, als wenn ich weiss, dass das Pferd alle 3 Wochen ein Pferderennen bestreiten soll. Äussere Einwirkungen, wie Tempo und/oder harte Böden (z.B. bei Kutschenpferden), haben enorme Einflüsse auf das Skelett. Rein physikalisch gesehen nimmt die kinetische Energie (beim Aufprall des Hufes auf dem Boden) mit höherer Geschwindigkeit im Quadrat zu (E = ½ m * v2). Deshalb ist es bei Pferden, die im Hochleistungssport verwendet werden uneins wichtiger, dass die Hufe ausbalanciert sind!
Zudem kürze ich die Hufe von Pferden, die auf harten Böden mit hohem Abrieb gehen weniger, als bei Pferden, die auf weichen Böden stehen. Ein Phänomen ist dabei in meiner Karriere immer wieder aufgetaucht. Der gesunde Menschenverstand wird einem sagen, dass Pferde auf weichen Böden bestimmt lockerer, bzw. besser laufen, als auf harten Böden. Bei gewissen Pferden aber saugen sich die Hufe auf weichem und nassem Boden mit Wasser voll und werden dabei sehr weich. Solche Pferde gehen auf weichem Boden fühliger, als auf hartem Boden. Hufbearbeitung: Oben genannte 8 Beurteilungspunkte verdeutlichen, wie Komplex die ganze Hufbearbeitung ist. Das eigentliche Ziel jeder Hufbearbeitung ist es, das Pferd nach orthopädischen Gesichtspunkten optimal zu behandeln. Die Hufbalance soll hergestellt werden, oder wenn bereits vorhanden beibehalten werden. Die Hufstellung soll anschliessend zur Gliedmassenstellung passen und die Gelenke sollen in der Bewegung, ohne einseitige Belastung, arbeiten können. Hufpflege ist KEINE kosmetische Angelegenheit! Hufpflege ist eine orthopädische Behandlung. Sie erfordert viel Verständnis für Physik, Statik, Biomechanik und Medizin und soll unbedingt durch einen Fachmann ausgeführt werden. Es gibt verschiedene Theorien nach denen der Huf bearbeitet werden kann. Wichtig dabei ist, dass eine relativierende und offene Sichtweise behalten wird und das Wohl des Pferdes und nicht irgend eine Ideologie in den Mittelpunkt gestellt wird.
Hufpflegeintervall: Ein Hufpflegeintervall von 5 Wochen wäre optimal.
Denn aufgrund der Händigkeit der meisten Pferde, sowie deren Gliedmassenstellung, erkenne ich in den meisten Fällen nach ungefähr 5 Wochen bereits ein Schieflaufen der Hufe. Das Pferd kommt aus der Balance, bezw. der Huf kommt aus der Balance. Bringt man nach 5 Wochen den Huf wieder ins Lot, ist das für das Pferd nur ein sehr geringer Eingriff und für alle beteiligten Systeme (Gelenke, Knorpel, Sehnen, Bänder, etc.) am besten verträglich. Der Huf muss korrigiert werden, sobald er schief wird. Oftmals glauben Kunden, der Huf müsse korrigiert werden, wenn er lang wird. Das ist nur teilweise richtig! Die Hufe werden bei den meisten Pferden (es gibt nur ganz wenig super ausbalancierte Pferde, mit einer absolut korrekten Gliedmassenstellung!) schief! Und das verursacht die Hauptprobleme und eventuelle Spätfolgen.
Hufe können lang, aber absolut ausbalanciert sein und im Lot mit den Gelenken stehen. Dies ist ein geringeres Problem für das Pferd, als kurze schiefe Hufe. Warum können Hufe kurz bleiben? Weil der Huf in dem Fall gerade so viel nachwächst, wie er abgenutzt wird. Dann hat man als Pferdebesitzer das Gefühl, es sei nichts gewachsen. Unter Umständen ist „1m“ nachgewachsen und das Pferd hat auf einem kilometerlangen Wanderritt ohne Hufschuhe gleichviel abgenutzt. Selbstverständlich ist der Huf dann kurz. Aber eventuell auch schief und dann ist eine orthopädische Korrektur nötig und empfehlenswert.
Nun weiss ich all zu gut, dass ein 5-Wochen-Hufpflegeintervall sehr kostspielig und auch aufgrund meines Terminplanes nur in Ausnahmefällen einzuhalten ist. Daher empfehle ich einen längeren, aber absolut einzuhaltenden, regelmässigen Hufpflegeintervall im Sommer von 6 Wochen (grosse Wachstumsphase der Hufe, aufgrund der höheren Aussentemperaturen) und im Winter von maximal 8 Wochen.
Längere Intervalle unterstütze ich nur, wenn der Kunde selbst mit Sachverstand an den Hufen Hand anlegen kann. Wobei die längeren Intervalle aufgrund des regelmässigen Rhythmus der meisten Pferde und aufgrund der weiten Strecken, die ich fahre, kaum mit meiner Agenda vereinbar sind.
Aus medizinischer Sicht und zum Schutze des Pferdes ist ansonsten ein längerer Abstand von mehr als 8 Wochen von Termin zu Termin meinersteits nicht vertretbar! | | |