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Fallstudien

Zwanghuf

Hebe, Stute, Warmblut, geb. 1996.

Bild Nr. 1:

Ich habe diese Stute im 2007 zur Hufpflege übernommen, mit folgender Krankengeschichte: Strahlbeinprobleme vorne beidseitig. Knochen mit zystischen Veränderungen. Hinten Kniescheibenprobleme. Das Pferd war seit Jahren mit Eiereisen beschlagen und wies
einen deutlichen Trachtenzwang mit negativ verlaufender Aussenwand auf. Am 21.3.2007 habe ich vorne die Eisen abgenommen.

Dieses Bild ist bei der zweiten Hufpflege nach der Eisenabnahme entstanden. Man sieht noch deutlich, die engen Wände. Der Huf
ist insgesamt zu lang, bzw. von unten gesehen zu oval und nicht rund, wie ein Vorderhuf idealerweise sein sollte. Der Strahl ist
verkümmert und dadurch auch faulig. Die Trachten sind zu lang, bzw. die seitlichen Strahlfurchen viel zu tief und dadurch ebenfalls
faulig, obwohl das auf den Bildern 1 – 4 gar nicht auffällt.

 
     
Bild Nr.1
 
 
   
   

Bild Nr. 2-3:

Zu kleine, enge Hufe für diese Masse des Pferdes.

Bild Nr. 4:

Von vorne sieht man an den Vorderhufen deutlich die engen Wände.

 

 
Bild Nr.2
 
Bild Nr.3
 
Bild Nr.4
 
 

Bild Nr. 5:

Gut 8 Monate später. Je nach dem, wie gut das Pferd es vertrug, haben wir die Trachten rigoros gekürzt. Damit die
tiefe Beugesehne dann nicht mit allen Kräften am Hufbein zog und den Huf damit wieder steiler zog, hat die Kundin in kleinen
Intervallen tatkräftig die Trachten mitgeraspelt. Die Hufwände sind kürzer. Dadurch kommt der Strahl besser am Boden und wird
besser durchblutet, wird kräftiger und kann seine Funktion zur Weitung der Hornkapsel wahr nehmen. Dies sieht man deutlich an
den weiteren, schrägeren Hufwänden. Besonders auffällig ist die Weitung der linken Aussenwand des linken Vorderhufes.

Bild Nr. 6:

Auch von unten betrachtet sieht man die verbesserte, bzw. rundere Form des linken Vorderhufes. Er wirkt zwar noch
etwas traubenförmig und der Strahl ist noch kein Vorführobjekt, aber er hilft schon ordentlich an der Weitung der Hornkapsel mit.
Die mittlere Strahlfurche ist aber noch sehr tief und faulig.

   
Bild Nr.5
 
Bild Nr.6
   
 
   

Bild Nr. 7:

Hier nochmals dasselbe Pferd weitere 6 Monate später.

Bild Nr. 8:

Die Hufe sehen von der Seite bereits bilderbuchmässig aus. Sie zeigen eine absolut akzeptable Wandlänge und eine
für die tiefe Beugesehne und das Strahlbein gesunde Steilheit.

Bild Nr. 9:

Auch die Vorderhufe scheinen nun ausbalanciert und gleichmässig. Vor allem der linke Vorderhuf hat sich deutlich
verbessert! Die Aussenwand hat sich geweitet und auch von unten gesehen, sind die Hufe nun eindeutig runder.
Das Pferd läuft absolut beschwerdefrei. Einziger Kritikpunkt könnte die eventuell etwas länger wirkende Aussenwand sein.

Bild Nr. 10:

Hier sieht man den rechten Vorderhuf, ein gutes Jahr nach der Eisenabnahme. Der Huf ist beinahe kreisrund.
Der Strahl ist kräftig und trägt mit. Die Strahlfäule ist verschwunden. Der Eckstreben-Trachtenwinkel ist ebenfalls tragfähig.
Absolut gesehen sind alle vier Hufe nun ausbalancierter und das Pferd läuft total beschwerdefrei. Eigentlich ein Wunder,
wenn man bedenkt, dass das Pferd beidseitig Strahlbeinprobleme mit zystischen Veränderungen am Knochen aufweist und
mit Eiereisen beschlagen war!

Bild Nr.7
 
Bild Nr.8
 
Bild Nr.9
 
Bild Nr.10
   
                     
 

Scarlet, Stute, Freiberger, geb. 1993.

Hier sehen wir Scarlets Besitzer 2005 an einer Trailprüfung im Mittelalbis (Hausen). Scarlet war zu dem Zeitpunkt noch
beschlagen. Geben die beiden nicht ein gutes Bild ab?

Bild Nr. 1:

Die Stute lief vermutlich durch eine Zerrung auf der Weide, seit einiger Zeit, hinten links lahm. Da die Stute nicht reitbar war,
hat sich der Besitzer entschieden, hinten die Eisen zu entfernen. Dies haben wir am 16.12.2009 gemacht. Dieses Bild entstand
dann aber erst am 2.3.2010, als ich zur ersten vollständigen Hufpflege vor Ort war.

 
                     
 
Bild Nr.1
                     
 

Bild Nr. 2,3 und 4:

Auf diesen Bildern sehen wir die Vorderhufe aus verschiedenen Perspektiven. Diese Bilder sind am 2.3.2010 entstanden, als
ich zur ersten Hufpflege vor Ort war. Die Vordereisen hatten wir am 10.2.2010 entfernt und zu jenem Zeitpunkt nichts
ausgeschnitten. An den Vorderhufen erkennt man eine deutliche Ringbildung in den Wänden, die von einer Stauchung der
Hornröhrchen kommt.

Auf Bild Nr. 3:

Hier sieht man, wie die Aussenwand durch die Imbalancen und somit Fehlbelastungen am Huf über die Monate und Jahre
nach aussen gewölbt wurde. Die Innenwand ist länger und verläuft schräg nach innen. Diese schräge und lange Innenwand
begünstigt ein Abrollen über die Aussenwand und somit die Deformierung derselben.

Bild Nr. 4:

Dieses Bild verdeutlicht nochmals die zu lange Zehe. Die Fessel steht eindeutig steiler, als das Profil der Zehenwand. Wenn
man gut hinschaut, sieht man, dass die Hornkapsel im oberen Bereich, direkt unterhalb des Kronsaums steiler hinunterwächst,
aber ständig durch die zu lange Zehe nach vorne gezogen wird, sich dadurch eine „Nase“ bildet und die Wand somit nicht
mehr parallel zum Hufbein verläuft.

 
         
 
Bild Nr.2
 
Bild Nr.3
 
Bild Nr.4
         
 

Bild Nr. 5:

Auf diesem Bild ist gut zu erkennen, wie eng und hoch der Huf ist. Der Strahl verliert dadurch seine Tragfähigkeit, wird
weniger durchblutet und verkümmert. Übrig bleibt ein schmaler, unterentwickelter Strahl. In diesem Zustand ist der Strahl
nicht mehr fähig, den Huf beim Abfussen in die Weite zu drücken. Der Huf verengt sich zusehends.

Bild Nr. 6:

Hier ist die Problematik nochmals von unten zu erkennen. Enge Ballen, ein schmaler, nicht tragfähriger Strahl und ein
traubenförmiger Huf.

Ziel:

Rundere Vorderhufe mit einem breiteren, kräftigeren und somit tragfähigeren Strahl. Der gesamte Huf sollte deutlich kürzer
werden, also weniger hohe Wände aufweisen und die Huf-/Fesselachse sollte mit der Zeit stimmiger werden.

Während des Aufnahmedatums (2.3.2010) waren die Hufe noch deutlich zu flach und eng. Zu flache und enge Hufe haben
negative Auswirkungen auf den Hufrollenapparat. Zu flache Hufe bringen die tiefe Beugesehne arg unter Zug, was den
Hufrollenapparat unter Druck setzt. Auch zu enge Hufe üben durch einen negativen Hufmechanismus einen Druck auf den
Hufrollenapparat aus. Beides kann zur Folge haben, dass das Pferd strahlbeinlahm wird.

 
               
 
Bild Nr.5
 
Bild Nr.6