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Fallstudien

Zu flacher Huf

Luana, Stute, Araber, geb. 1992

Bild Nr. 1:

Im Alter von 15 Jahren haben wir der Stute im August 2007 die Hufeisen entfernt. Auf den Bildern 1 – 4 sehen wir deutlich,
dass die Stute zu flach steht. Das heisst, das Profil der Hufwand ist flacher, als die Fesselachse. Dies belastet die tiefe
Beugesehne unnötig und ist auch nachteilig für den Hufrollenapparat.

Bild Nr. 2:

Die Vorderhufe stehen zu flach zur Fesselachse.

 

 
   
Bild Nr.1
 
Bild Nr.2
 
     
   

Bild Nr. 3:

Hier sehen wir, dass die Wände rundum flügeln und keinen geraden Verlauf aufweisen. Dies verursacht unnötige Zugkräfte
auf die Wände. Zudem ist ein weiter Huf weicher, als ein kompakter, enger Huf. Bei einem weiten Huf lagert sich zwischen
den Harthornröhrchen mehr Weichhorn ab und der Abrieb am Huf ist somit höher.

Bild Nr. 4:

Auch die Hinterhufe weisen einen zu geringen Hufwinkel in Bezug zum Fesselstand auf.

 

 
Bild Nr.3
 
Bild Nr.4
 
 
 

Bild Nr. 5:

Dasselbe Pferd 10 Monate später. Die Statik der Hufe hat sich bereits verbessert, ist aber noch deutlich entfernt vom
Optimum. Aber wir sind auf bestem Wege dahin. Eine Hufkorrektur passiert immer in Absprache mit dem Kunden und
geschieht je nach Pferd unterschiedlich schnell. Manche Pferde sind hart im nehmen, da kann man rigorose Korrekturen
(ohne Schmerztherapie) vornehmen. Andere Charaktere sind empfindlicher und sensibler und sie gestatten nur eine
Korrektur in kleinen Schritten. Bei diesem Pferd läuft alles auf natürlichem Wege ab, einfach in kleinen Schritten
.

 

       
Bild Nr.5
 
 
 
   

Bild Nr. 6-8:

Auf den Bildern 6 – 8 sieht man, dass die Wände in sich nun gerader sind und die Hufe allmählich kompakter und kräftiger
werden. Auch die Trachtenwand wächst nun gerader in Richtung Boden.


 
Bild Nr.6
 
Bild Nr.7
 
Bild Nr.8
           


Julies, Stute, Quarter Horse, geb. 1999.

Bild Nr. 9-10:

Diese Stute habe ich im Mai 2007 zur Hufpflege mit der hier sichtbaren Hufstellung übernommen. Bis dato wurden keine
klinischen Untersuchungen in Bezug auf Strahlbeinlahmheit vorgenommen. Das Pferd lief aber ab und an nicht taktrein,
bzw. lahm. Wir haben dem Pferd am 7. Mai 2007 die Eisen abgenommen und auf Barhuf mit Hufschuhen umgestellt.

Das Bild hier entstand 5 Wochen nach der Eisenabnahme vor der ersten Hufpflege. Die Hufwinkel vorne betrugen 45 Grad!
Die Fesselzehenachse war weit ab von der Norm und von einer gesunden Stellung! Die Sohle war total abgeflacht und die
Stute hatte ein geringes Hornwachstum. Jede Hufplfege war eine Gratwanderung. Soll man die notwendige Hufbearbeitung,
bzw. -korrektur vornehmen, oder soll man nur soviel machen, so dass das Pferd danach uneingeschränkt einsatzfähig bleibt?

Wir sind bei der Hufpflege in kleinen Schritten vorwärts gegangen und die Stute hat dabei gut mitgemacht. 10 Monate nach
der ersten Hufpflege betrugen die Hufwinkel an den Vorderhufen bereits 51 Grad. Wir hatten also eine Steigerung des Hufwinkels
um 6 Grad erreicht. Doch die Stute lief nach wie vor zeitweise lahm, so dass die Besitzerin sie im März 2008 röntgen liess und
sich Veränderungen am Strahlbein bestätigten. Das Strahlbein ist in zweierlei Hinsicht verändert. Einerseits finden Umbauvorgänge
im Strahlbein statt und andererseits sieht man sogenannte „wings“ an den Aufhängebandansätzen. Den Tierarzt, den ich für
solche Probleme gerne zu Rate ziehe, empfahl eine Therapie mit Schmerzmitteln und ein Aufstellen des Hufes.

Prognose:
Falls die Umbauvorgänge im Strahlbein weitergehen, was man frühestens nach ca. 4 Monaten radiologisch erkennen kann,
so gibt es keine Heilungschance. Die Zeit wurde in der Folge aber genutzt, um die Trachten natürlich wachsen zu lassen.
Nach einer einmaligen Beschlagsperiode mit Keileisen, entschied sich die Kundin, das, vom Tierarzt empfohlene Vorgehen
zu probieren. Ende Mai 2008 (Bilder Nr. 13, 14, 15) haben wir mit der starken Kürzung der Zehe unter Beizug – aber nur
wenn nötig – von Schmerzmitteln begonnen. Man sieht hier noch deutlich die Nagellöcher von dem einmaligen Versuch
der Kundin, die Strahlbeinlahmheit mit einem Keilbeschlag zu korrigieren. Nach dem Beschlagsversuch war der Vorderhuf
vorne links auch ziemlich asymmetrisch geworden. Auf den folgenden Bildern im August (Bild Nr. 16 – 18) und September
2008 (Bild Nr. 19 – 24) sieht man bereits eine deutliche Verbesserung der Stellung und somit eine Entlastung der tiefen
Beugesehen, bzw. des Strahlbeines.

 

   
Bild Nr.9
Bild Nr.10

Bild Nr. 11:

Auch von vorne sieht man bei den Vorderhufen die zu lange Zehe und die zu steilen Seitenwände im hinteren Bereich.

Bild Nr. 12:

Auf dem Bild Nr.12 sehen wir sehr schön, dass auch die Hinterhufe viel zu flach stehen.

 

       
Bild Nr.11
 
Bild Nr.12
                   

Bild Nr. 13:

Erste Korrektur nach Abnahme der Keileisen und nach Absprache mit meinem Tierarzt, welcher Profi auf dem Gebiet
für Hufe und Lahmheiten ist. Man sieht eine deutliche Kürzung der Zehe. Ich habe die Zehenwand fast bis zur weissen
Linie abgetragen.

Bild Nr. 14:

Auf Bild Nr.14 sieht man deutlich den asymmetrischen Vorderhuf, der nach dem einmaligen Beschlag zustandegekommen ist.

Bild Nr. 15:

Auch an den Hinterhufen (Bild Nr.15) haben wir die Zehe gut gekürzt.

         
Bild Nr.13
 
Bild Nr.14
 
Bild Nr.15
           

Bild Nr. 16:

Hier sieht man, wie deutlich die Zehe von unten und von aussen gekürzt wurde. Wir haben die Zehe
von aussen gekürzt. Wenn nötig bis an die weisse Linie. Die Zehenachse nähert sich allmählich der Fesselachse an.
Die Trachten sind zwar noch untergeschoben, aber sie beginnen zu wachsen.

Bild Nr. 17:

Hier sieht man schön, wie sich die Hufwände zu weiten beginnen und langsam eine normale Steilheit erlangen.
Es sind keine engen Trachten mehr sichtbar. Der Huf wird auch von unten gesehen langsam rund und die Sohle erhält
auf ganz natürliche Weise eine Wölbung.

Bild Nr. 18:

Derselbe Vorderhuf vorne links, der auch auf Bild 14 zu sehen ist. Hier ist er aber wieder deutlich symmetrischer.

     
Bild Nr.16
 
Bild Nr.17
 
Bild Nr.18
           

Bild Nr. 19:

Hier dasselbe Pferd, 4 Monate nach Beginn der Hufpflege bei gleichzeitiger Schmerztherapie.

Bild Nr. 20:

Hier sieht man im Vergleich zur Aufnahme im August (Bild Nr. 16), dass ich bereits nicht mehr so viel Zehenwand
abtragen musste, um eine vernünftige Steilheit der Zehe zu erlangen. Auch die Trachtenwand hat sich gegenüber der Aufnahme
im August nochmals verbessert. Sie wächst mehr und mehr gerade von oben nach unten und ist kaum noch untergeschoben.
Beste Bedingungen zur Genesung, bzw. Entlastung des Hufrollenapparates.

Bild Nr. 21:

Die Vorderhufe haben von vorne gesehen eine gesunde Form erhalten. Die Hufwände verlaufen in einer vernünftigen
Schräge zum Boden.

Bild Nr.19
 
Bild Nr.20
 
Bild Nr.21
       

Bild Nr. 22-23:

Hier sieht man schön, dass der Eckstreben-Trachtenwinkel deutlich tragfähiger geworden ist und dass die Trachten länger sind,
als je zuvor. Die Eckstreben dürften noch kräftiger sein und die Sohle könnte auch gerne noch mehr Wölbung aufweisen.

So könnten auch die Tragränder noch mehr Wachstum zeigen. Aber alles in allem, haben die Hufe, im Vergleich zum Juni 2007
eine 100%-ige Verbesserung erfahren.

Bild Nr. 24:

Auch die Hinterhufe sind kräftiger, steiler und leistungsfähiger geworden.

             
Bild Nr.22
 
Bild Nr.23
 
Bild Nr.24
               


Cento, Wallach, Holländisches Pony, geb. 2000

Bild Nr. 25:

Kurz vor der Abnahme der Eisen an den Vorderhufen.

Bild Nr. 26:

Deutliche Ringbildung in der Hufwand durch zu lange Zehe. Dieser Zustand währte über längere Zeit.
Huf-Fesselachse ist entgleist.

Bild Nr. 27:

Auch von vorne ist die lange Zehe deutlich sichtbar. Zudem sind die Hufe viel zu weit.

Ziel:
Kompakte Hufe mit steileren Aussenwänden.


     
Bild Nr.25
 
Bild Nr.26
 
Bild Nr.27
       

Bild Nr. 28:

Ansicht der Vorderhufe von der Seite nach der Abnahme der Eisen. Nochmals deutlich sichtbar die Ringbildung in
den Hufwänden. Damit die Umstellung vom Beschlag auf Barhuf für das Pferd ohne Probleme verläuft, werden in diesem Stadium
die Hufe vorerst nicht bearbeitet.

Bild Nr. 29:

Ansicht der Vorderhufe von vorne nach der Abnahme der Eisen.

Bild Nr. 30:

Ein Vorderhuf von unten gesehen. Wir erkennen, dass der Huf eine ovale, traubenförmige Form aufweist. Dies, weist
wiederrum auf die zu lange Zehe hin. Zudem sind die Eckstreben-Trachten-Winkel schwach und wenig ausgeprägt. An der Sohlen
wurde das lose, faulige Sohlenmaterial entfernt. Dies ist durch eine Abdeckung durch eine Ledersohle entstanden.

Ziel: Kräftige, tragfähige Eckstreben-Trachten-Winkel und eine runde Hufform der Vorderhufe von unten.
Somit ist die Stützfunktion der Vordergliedmasse am besten gewährleistet.


     
Bild Nr.28
 
Bild Nr.29
 
Bild Nr.30
           

 

Kiano, Wallach, Highland Pony, geb. 2003.

Bild Nr. 1:

Am 11.8.2010 habe ich Kiano zur Hufpflege übernommen. Nach Rücksprache mit mir, hat die Kundin vor meinem ersten
Besuch am 11.8.2010, Mitte Juni 2010, die Eisen durch den Hufschmied abnehmen lassen. Er hatte den Auftrag nichts
auszuschneiden, so dass Kiano möglichst viel Material zum Laufen hatte. Die ersten 2 – 4 Wochen wurde das Schulpferd
nicht geritten.

Kiano's Vorgeschichte:

Seit Anbeginn seines Reitpferdedaseins läuft er oftmals vorne rechts oder hinten links taktunrein bis lahm, so auch bei
meinem ersten Besuch. Er war bereits zur Abklärung im Tierspital, doch die Tierärzte fanden keine klinische Ursache für
seine Gangunregelmässigkeit. Die Hufe wurden allerdings nicht betrachtet. Für meine Begriffe liegt aber die Ursache des
unregelmässigen Ganges ganz klar in der unphysiologischen Hufbalance aller vier Hufe!

                                 
 
Bild Nr.1
                                 
 

Bild Nr. 2:

Vorderhufe von Kiano. Aufnahme vom 11.8.2010. Die Huf-/Fesselachse weicht stark von der Norm ab und die Hufe haben
eine für das Pferd unangenehme Stellung.

Auf Bild Nr. 3:

Hinterhufe von Kiano. Ebenfalls eine Aufnahme vom 11.8.2010. Grösste Imbalance weist der linke Hinterhuf auf. Hier ist der
Huf so viel flacher als die Fessel, dass in keinem Wandabschnitt mehr eine Parallelität des Hufbeins zur Hufwand vorhanden
ist. Das Pferd hat aufgrund einer permanent zu langen Zehe eine Hufbeinrotation erlitten, quasi eine Hufrehe! Dass dieser
Zustand beim Laufen unangenehm ist, braucht man nicht zu erwähnen.

Bild Nr. 4:

Hier nochmals der linke Hinterhuf mit der stark zum Fesselstand abweichenden Zehenwand.

 
         
 
Bild Nr.2
 
Bild Nr.3
 
Bild Nr.4
         
 

Bild Nr. 5:

Hier noch eine Frontansicht des linken Hinterhufes. Hier ist zu erkennen, dass der Huf auch seine ovale Form verloren hat
und über die Jahre dreieckig geworden ist. Diesen Zustand gilt es zu verbessern. Zudem hat die Hornqualität unter dem
Beschlag stark gelitten. An allen 4 Hufen blättert die Hufwand ab. Die Verbindung zwischen Wand und Sohle ist an vielen
Stellen verloren gegangen. Bakterien haben sich eingenistet.

Bild Nr. 6:

Hier ein Hinterhuf von unten. Der Huf weist absolut keine Sohlenwölbung auf, was beim Barfusslaufen über Steine für das
Pferd unangenehm sein kann, weil die nötige Distanz zum Boden fehlt. Der Strahl wirkt sehr kräftig und gesund und fast
höher als der Tragrand. Dies passiert bei beschlagenen Hufen sehr oft. Bei der „Suche“ nach Bodenkontakt sackt der
Strahl samt Sohle zwischen den Schenkeln des Eisens hindurch. Die Sohle flacht ab und der Strahl wächst so lange, bis
er wieder Bodenkontakt hat und sogar höher als die Tragränder wird.

Bild Nr. 7:

Kiano beim 2. Hufpflegetermin, 5 Wochen nach dem ersten Termin. Kiano hat die erste Korrektur gut verkraftet und der
Impuls der Hufpflege wurde durch Kiano positiv umgesetzt. Kiano hat kräftig bei der Korrektur der Hufe mitgeholfen und
sich die Hufe noch steiler angelaufen.

 
             
 
Bild Nr.5
 
Bild Nr.6
 
Bild Nr.7
             
 

Bild Nr. 8:

Hier sehen wir die Vorderhufe, die doch schon erfreulich „steil“ aussehen?

Bild Nr. 9:

Hier die Hinterhufe. Beim linken Hinterhuf ist bereits nicht mehr zu erkennen, dass das Hufbein 5 Wochen davor noch
nahezu senkrecht in der Hornkapsel stand. Die Huf- und Fesselachse haben sich schon deutlich angenähert. Eine sehr
erfreuliche Entwicklung!

Bild Nr. 10:

Vorderhuf von hinten. Die Aussenwände verjüngen sich nach unten, was beim Laufen Druck auf den Hufrollenapparat
ausübt. Die Kapselbewegung, die beim Laufen in der Regel eine Weitungsprozess durchmacht, macht bei negativen Wänden
eine Einwärtsbewegung. Dies erzeugt Druck auf den Hufrollenapparat. Dies könnte mit ein Grund dafür sein, dass Kiano
oftmals taktunrein, oder lahm läuft. Klinisch sind aber noch keine Veränderungen am Strahlbein erkennbar.

 
         
 
Bild Nr.8
 
Bild Nr.9
 
Bild Nr.10
         
 

Bild Nr. 11:

Vorderhuf von unten. Die Hufe weisen bereits eine bessere Sohlenwölbung auf, ohne dass künstlich eine Wölbung herein
“geschnitzt“ wurde. Was auf dem Bild zu erkennen ist, dass die Eckstrebe weggeschnitten wurde. Wenn diese zu lang wird,
legt sie sich auf die Sohle und überwuchert diese. Die Eckstrebe geht aber keine Verbindung mit der Sohle ein. Somit besteht
dabei immer die Gefahr von Bakterieneinschlüssen (Abszessgefahr!), in manchen Fällen auch Druckgefahr von der Eckstrebe
auf die weichere Sohle. Daher sollte sie immer sauber entfernt werden.

Die Sohle wölbt sich auf, alleine dadurch, dass die Wände steiler geraspelt werden und der Huf nicht mehr so auseinanderklafft.
Auch die Eckstreben, sowie der Eckstreben-Trachten-Winkel weist bereits ein kräftigeres Dreieck auf, als noch 5 Wochen davor.
Zu bemängeln ist noch die schlechte Hornqualität, die man daran erkennt, dass die Wände wegbrechen und sich Bakterien darin
einnisten. Die Wände sind quasi kürzer, als die Sohle. Das Pferd läuft also nur auf der Sohle. Dennoch läuft das Pferd nicht
fühlig. Zudem läuft Kiano vor- wie nach der Hufpflege sogar das erste Mal taktrein und das nach nur 2 Hufpflegen!

 
                                     
 
Bild Nr.11